Zielgruppen

  • Schülerinnen und Schüler der Förderschulen und –zentren im Alter von 10-17 Jahren
  • Lehrkräfte und MitarbeiterInnen dieser Schulen
  • Mütter und Väter
  • das soziale Umfeld
  • die Öffentlichkeit

 

Schülerinnen und Schüler aller Klassen von Förderzentren; Kinder und Jugendliche mit geistiger bzw. Lernbehinderung

Schulen sind besonders geeignet, den Schutz vor sexuellem Missbrauch und sexualisierter Gewalt von Mädchen und Jungen zu verbessern und betroffenen Kindern und Jugendlichen frühzeitig Hilfen zu erschließen, da hier die meisten durch die bestehende Schulpflicht erreicht werden. Diese Tatsache ist gerade für vom Missbrauch betroffene Jungen und Mädchen von besonderer Bedeutung, da ihnen häufig die  Teilnahme an offenen Angeboten verweigert und sie bewusst isoliert werden oder kaum andere Kontaktmöglichkeiten z. B. aufgrund ihrer Behinderung haben. Betroffene Kinder besitzen in der Regel keine Kenntnis von Hilfsmöglichkeiten und verfügen nicht über die nötige Mobilität, diese zu erreichen. Die Schule ist die  wichtigste Sozialisationsinstanz neben Familie oder Behinderteneinrichtung. Hier sollte nicht nur kognitives Wissen vermittelt, sondern der Lebens-, Lern- und Erfahrungsraum Schule frühzeitig genutzt und die sozialen und emotionalen Kompetenzen von Mädchen und Jungen gefördert werden.

Die Befürchtung, dass Kinder durch Prävention eine negative Einstellung zur Sexualität entwickeln, lässt sich entkräften, wenn Prävention auf der Basis einer umfassenden altersadäquaten Sexualerziehung stattfindet. Eine bejahende Einstellung zur Sexualität ermöglicht es Kindern und Jugendlichen, „Nein“ zu sagen, wenn Grenzen überschritten werden. Eine positive Sexualerziehung ist somit integraler und grundlegender Bestandteil von Prävention.

Die Ausstellung bietet den Kindern und Jugendlichen einen Erlebnisrahmen, in dem sie sich nach ihren Fähigkeiten in altersgemäß ansprechender Art und Weise mit den positiven Präventionsinhalten auseinandersetzen können. Die Information erfolgt entwicklungs- und/oder behinderungsgerecht mit Hilfe geeigneter Präsentationsobjekte  und Module im Baukastensystem. Informationen von Menschen mit geistiger bzw. Lernbehinderung werden dann am besten aufgenommen und verarbeitet, wenn sie sich auf  wenige Inhalte beschränken, die auf möglichst vielfältige Weise vermittelt werden. Daher wurde bei der Auswahl der Objekte darauf geachtet, dass klare Standards gesetzt und ein handlungsorientiertes Lernen, d.h. ein Lernen mit Kopf, Herz und Hand ermöglicht wird.

Es ist bekannt, dass Mädchen und Jungen, die einmalig an Präventionsprogrammen teilnehmen, die Inhalte schnell wieder vergessen, wenn diese nicht wiederholt werden. Es soll daher im Anschluss des Ausstellungsbesuches mit unterschiedlichen Altersgruppen präventiv im Sinne eines Spiralcurriculums gearbeitet und das Wissen der Schüler_innen so vertieft und verankert werden. Um eine größtmögliche Nachhaltigkeit zu erzielen, erhalten die an der Ausstellung beteiligten Lehrkräfte und MitarbeiterInnen vorbereitendes, begleitendes und weiterführendes Unterrichtsmaterial, das an den Ausstellungsinhalten und –elementen angelehnt und alters- und behinderungsgerecht aufbereitet ist. Das Unterrichtsmaterial kann aber auch unabhängig vom Ausstellungsbesuch verwendet werden, so dass Unterstützung und Anreiz gegeben werden, langfristig präventive Elemente in den Unterricht aufzunehmen.

 

Erwachsene

Da es in der Verantwortung der Erwachsenen liegt, Bedingungen zu schaffen, welche die Selbstbestimmungsmöglichkeiten der Kinder und Jugendlichen fördern,  bedarf es auch der unmittelbaren Arbeit mit ihnen. Es ist wichtig, Eltern, Lehrkräfte und MitarbeiterInnen der Schulen über sexuellen Missbrauch zu informieren und ihnen pädagogische Möglichkeiten der Vermittlung des Themas aufzuzeigen.

Die Ausstellung, die sich zwar primär an die Mädchen und Jungen der Förderzentren und Sonderschulen richtet, informiert zugleich die jeweiligen Bezugspersonen über den Tatbestand des sexuellen Missbrauchs, über Präventionsinhalte und -ziele, so dass deren  Wahrnehmungs- und Handlungsbereitschaft gefördert wird. Denn eine Ausstellung für SchülerInnen ist nur dann nachhaltig und effektiv, wenn die Präventionsinhalte gleichzeitig von allen Bezugspersonen, d.h. von Elternhaus, Öffentlichkeit und Schule umgesetzt werden.

 

Lehrkräfte und Mitarbeiter_innen von Schulen

Häufig fühlen sich Lehrkräfte nicht in der Lage, dem Thema „Prävention von sexualisierter Gewalt und sexuellem Missbrauch“  gerecht zu werden, da es meist nicht Bestandteil der Ausbildung von Lehrkräften ist. Auch zögern viele Lehrkräfte, das Thema im Unterricht aufzugreifen, da es kaum Präventionsmaterialien und Medien für den Einsatz im Unterricht an diesen Schulen gibt. Eine Ursache hierfür besteht sicher darin, dass die Lehrpläne der meisten Bundesländer das Thema Prävention nicht explizit ausweisen und die Realisierung von Präventionseinheiten immer noch im Ermessen der einzelnen Lehrkraft liegt.

Die Ausstellung beabsichtigt, Lehrkräfte für die Problematik zu sensibilisieren und ihnen mögliche Unsicherheiten zu nehmen. Unsere Erfahrungen zeigen, dass das Medium „Ausstellung“ besonders geeignet ist, sich mit der Thematik intensiver auseinander zu setzen. Sie bietet die Möglichkeit, mit Kollegium und Elternschaft gemeinsam über das Thema ins Gespräch zu kommen und ermutigt, präventiv im Alltag zu wirken.

Lehrkräfte, die mit ihrer Klasse die Ausstellung besuchen, erhalten ein Medienpaket mit Unterrichtsvorschlägen zur Vorbereitung, Umsetzung und Nachbereitung im Unterricht. Bevor die Ausstellung an die Schule kommt, nehmen die Lehrkräfte und MitarbeiterInnen der Förderzentren an einer obligatorischen Informationsveranstaltung zum Ausstellungsprojekt teil.

 

Eltern

In den letzten Jahren wurde das Thema „Sexualisierte Gewalt und sexueller Missbrauch“ verstärkt in der Öffentlichkeit und in den Medien diskutiert. Trotzdem herrscht gerade bei Eltern ein großes Informationsdefizit über das reale Ausmaß von sexuellem Missbrauch. Dabei können Eltern einen wesentlichen Teil dazu beitragen, dass ihr Kind nicht Opfer von Missbrauch wird. Doch noch heute beschränkt sich die vorbeugende Erziehung im Elternhaus oder in der Behinderteneinrichtung größtenteils auf die Warnung vor dem Fremdtäter und auf die Vermittlung von Vermeidungsstrategien in Form von Verboten, Regeln und Vorsichtsmaßnahmen. Es wird den Kindern und Jugendlichen das vermittelt, was Erwachsene in ihrer Kindheit selbst gelernt haben. Studien in den USA über die Wirksamkeit von Präventionsprogrammen ergaben, dass diese dann von Eltern als erfolgreich eingeschätzt wurden, wenn die Kinder besonders ängstlich nach der Teilnahme waren.

Wichtig ist, Eltern zu vermitteln, dass Ängste weder angebracht noch hilfreich sind. Sie sollen wissen, dass nicht verängstigte, in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkte Kinder, sondern mutige, starke und selbstbewusste Kinder am wirksamsten geschützt sind. Die Strategien von TäterInnen zielen gerade auf potentielle Defizite und Ängste von Kindern und Jugendlichen und dies besonders im sozialen Nahbereich. Das Schweigegebot greift nur, wenn bei Kindern und Jugendlichen die Angst davor erzeugt werden kann, sich Vertrauenspersonen zu offenbaren oder ihnen nicht Gehör geschenkt wird. Dies gilt es Eltern und Betreuungspersonal zu vermitteln.

Die Ausstellung verfolgt ferner das wichtige Ziel, zu vermitteln, dass Kinder und Jugendliche mit geistiger bzw. Lernbehinderung im Alltag Respekt erfahren und Selbstvertrauen entwickeln sollten.

 

Die Öffentlichkeit

Da es sich bei sexuellem Missbrauch um ein gesellschaftspolitisches Thema handelt, ist es wichtig, dass die Öffentlichkeit diese Problematik wahrnimmt.

Die spielerische und innovative Vermittlung von Informationen in Form einer handlungsorientierten Ausstellung erleichtert die Berichterstattung über das Thema. Über die  Auftaktveranstaltungen zum Präventionsprojekt in den verschiedenen Schulen erfolgt eine Einbindung der Medien, so dass kommunal und regional das Thema sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen mit Behinderung in der Öffentlichkeit aufgenommen und diskutiert wird.

 

© PETZE-Institut
Hochschule Merseburg

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